Meisterdetektiv Pikachu auf der großen Leinwand

Als der Film zu Meisterdetektiv Pikachu zum ersten Mal ins Gespräch kam, wollte es niemand so wirklich glauben. Als es hieß, sie hätten Ryan Reynolds als den Sprecher für Pikachu engagiert, wurde es als Witz verstanden. Jetzt läuft der Film offiziell im Kino und Zuschauer können die bekannten Taschenmonster zum ersten Mal auf der großen Leinwand bewundern. Doch folgt er dem Trend vorheriger Videospielverfilmungen und lebt nur vom Namen, oder bietet er tatsächlich ein tolles Filmerlebnis?

Möglichst spoilerfrei:
Der Film erzählt die Geschichte des gescheiterten Pokemon-Trainers Tim Goodman (Justice Smith), der vom Verschwinden seines Vaters Harry erfährt und bei Ankunft in dessen Wohnung auf sein Pikachu (Ryan Reynolds) stößt. Schockiert über die Tatsache, dass er seine Sprache versteht, bringt seine Panik die beiden in einen Haufen Schwierigkeiten und gleichzeitig auf die Spur der Verbrecher, die Harry vor seinem Unfall verfolgt hat. Tim verbündet sich mit dem Pokemon, welches sich als Detektiv vorstellt, um den Fall aufzuklären.
Dabei erforschen sie Rhyme City und seine Umgebung, eine Gegend, in der die Pokemon wie Menschen in die Gemeinschaft integriert sind. Gerade visuell und in der Darstellung dieser Welt kann der Film auf ganzer Linie überzeugen. Der Plot mag gerade für ältere Zuschauer und solche, die mit dem Genre Erfahrung haben, etwas vorhersehbar und wenig besonders erscheinen, erfüllt aber seinen Zweck und führt das Publikum erfolgreich durch die Welt der Pokemon, die im Mittelpunkt steht.
Humor und Musik prägen den Film gleichermaßen und sprechen Zuschauer allen Alters an. Gerade Fans des Pokemon-Franchise werden viele clevere Anspielungen finden, man muss jedoch nicht viel Erfahrung mit den Taschenmonstern haben, um Spaß am Film zu finden. Auch das Schauspiel, gerade das der Hauptcharaktere, ist sehr gelungen und kann von den emotionalen Momenten überzeugen. Insgesamt kann der Film jedem empfohlen werden, ob Erwachsenem oder Kind, Pokemaniac oder Neuling.

Leichte Spoiler ab hier:
Was den Einsatz der vorkommenden Pokemon angeht wurden einige sehr clevere Entscheidungen getroffen, die zeigen, dass die Verantwortlichen für den Film sich selbst gut in der Pokemon-Welt auskennen. Besonders heraus sticht dabei die Nutzung von Ditto für einen der wichtigen Plottwists des Films, welcher die Handlung gekonnt von der anderer Filme abhebt.
Auch sehr gut genutzt werden einige experimentell vergrößerte Chelterrar für die Action-Szene im zweiten Drittel. Diese stellt leider gleichzeitig eine der wenigen Schwachstellen des Films dar, da Fans der Spieleserie schnell verstehen werden, was vor sich geht, während die Charaktere ziemlich lange brauchen, bis sie darauf kommen. Dies führt dazu, dass die sonst gelungene Geschwindigkeit der Handlung hier an Fahrt verliert. Zum Glück kann der kurz darauf folgende Auftritt von einem der Antagonisten die Aufmerksamkeit der Zuschauer gut wiedergewinnen.
Im Folgenden beginnt der Plot, welcher ab der zweiten Hälfte noch stärker als zuvor von der Videospielvorlage abweicht, durch Mewtus Psykräfte ziemlich obskur zu werden. Es wird jedoch innerhalb der Welt plausibel erklärt, somit schafft es der Film, trotz gewagten Handlungspunkten den Zuschauer nicht zu verlieren. Die hierdurch ausgelösten (Pokemon-)Kämpfe sind visuell exzellent umgesetzt und eines der Highlights der Kino-Erfahrung, die Lust auf mehr hinterlässt.
Es war eine interessante Entscheidung, eine solche Atmosphäre für die erste Pokemon-Realverfilmung zu wählen, doch sie schaffen es, für eine lebhaften Darstellung der Welt, die düsteren Darstellung des Verbrechens und die emotionalen Darstellung der Hintergrundgeschichten aller Hauptcharaktere saubere Übergänge zu schaffen, damit alles die gewünschte Wirkung erzielt. Besonders letzteres hätte leicht gekünstelt wirken können, doch Justice Smith gelingt es, Tims Emotionen bei den Erinnerungen perfekt zu vermitteln und so Kinder wie Erwachsene damit ansprechen zu können.

Wertung
Handlung: 6.5/10
Grafik: 9.5/10
Musik: 8.0/10
Atmosphäre: 9.0/10
Humor: 8.0/10
Schauspiel: 7.5/10
Gesamt: 8.0/10

Jedem Fan der Pokemon-Reihe ist der Fim sehr zu empfehlen, unabhängig vom Alter. Unter denen, die noch nicht viel Erfahrung mit den Taschenmonstern haben, wird er Kindern definitiv besser gefallen, aber auch Erwachsene können mit dem Film eine spaßige Zeit haben. Meisterdetektiv Pikachu wird nicht als Meisterwerk in die Geschichte eingehen, erfüllt als die erste Pokemon-Realverfilmung alle Erwartungen und verspricht anderthalb Stunden purer Freude.

Justin Löwe

Ich bin seit inzwischen neun Jahren als Jugendreporter unterwegs, stand schon mehrmals in der NOZ und möchte hier den Leuten mit möglichst hochwertigen Berichten die Interessen der jüngeren Generation näherbringen.

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