Gamescom 2016 – Meine Eindrücke

Es ist jedes Jahr das gleiche Phänomen: Tausende von Besuchern von Weit und Fern reisen nach Köln, um die neusten Produkte der Unterhaltungsbranche auszuprobieren. Und jeder Vertreter, der Rang und Namen hat – mit der Ausnahme von Riot Games, welche mit League of Legends eines der erfolgreichsten Online-Spiele überhaupt betreiben, aber sich schon das zweite Jahr nicht blicken lassen -, sind dort, um sich zu präsentieren. Aber was ist die Gamescom überhaupt, welche jedes Jahr mitten im Hochsommer förmlich eine Massenpilgerei auslöst?

Die Gamescom ist die größte öffentlich zugängliche Videospiel-Messe Europas. Nur die Electronic Entertainment Expo (meist einfach nur E3 genannt) in Amerika, Los Angeles, welche aber nur Fachbesucher zugänglich ist, und die Tokyo Game Show, welche wie der Name vermuten lässt in Tokyo stattfindet, sind größer. Und so findet die Gamescom seit 2009 jedes Jahr mitten in einer Augustwoche in Köln bei der Koelnmesse statt, und der ganze Spaß beginnt am Mittwoch, wo Fachbesucher die neusten Spiele begutachten können. Ab Donnerstag bis Sonntag können auch Privatbesucher das Neuste der Gamerindustrie antesten, ihre Idole treffen oder als Cosplayer ihre Lieblingshelden nachstellen.

Für mich war es dieses Jahr die vierte Gamescom in Folge. Auch wenn ich leider kein besonders großer Zocker bin, kann ich es mir nicht entgehen lässen, jedes Jahr nach Köln zu fahren und eines der größten Sommer-Highlights zu verpassen. Und so will ich einen kurzen Überblick vermitteln, wie normalerweise so ein Tag dort aussieht.

Der ganze Spaß beginnt eigentlich ein paar Monate vor der eigentlichen Messe, wenn es heißt – beschaffe dir Tickets! Aber das Internet macht es relativ einfach, da man sich die über den Ticketshop der offizellen Gamescom-Webseite besorgen kann. Schon bekommt man das heißbegehrte Ticket als PDF-Datei zugeschickt, welches man sich dann zu Hause einfach ausdrucken kann. Nette Geste: Man kriegt nicht nur das Ticket zugeschickt, sondern auch eine PDF für eine Hin- und Rückfahrt mit der VRS/VRR (den Nahverkehrverbänden in Köln), sodass man auch problemlos das Messegelänge erreichen und verlassen kann. Eine andere Weise, um an Tickets zu kommen ist über Saturn, da sie dort ebenfalls verkauft werden. Jedoch sollte man sich mit dem Ticketkauf nicht allzu viel Zeit lassen, da  die Tickets schneller als warme Semmel über den Tresen gehen und meist nach wenigen Wochen restlos ausverkauft sind. Ein weiterer Geheimtipp: Für spontane Leute kann man meistens an den Tagen für die Öffentlichkeit ab 14 Uhr an den Kassen noch Tickets ergattern, aber dafür sollte man sich auf lange Schlangen gefasst machen, und so wird das rechtzeitige Anschaffen der Tickets doch bevorzugt.

So, man hat ein Ticket, also nichts wie rein und die neusten Spiele ausprobieren? Nicht ganz.

Bevor man die Koelnmesse betritt sollte man sich am besten ein Altersbändchen holen, sonst kann es schnell passieren, dass man die mit der FSK gekennzeichneten Bereiche nicht betreten darf. Und wir wissen doch, dass genau dort die besten Spiele sind! So geht der kluge Besucher zu den Zelten, welche extra vor dem Mesesgelände stehen, und holt sich sein Altersbändchen ab. Für die Sammler unter euch, es gibt drei unterschiedliche: Unter 12 Jahren bekommt man keins, ab 12 gibt es ein grünes Bändchen, ab 16 ein blaues und ab 18 gibt es ein rotes Bändchen.

Hat der findige Besucher nun alles, was er braucht? Schon, wobei ich immer noch empfehlen würde Wasser und Verpflegung von zu Hause mitzubringen, da die Preise im Messegelände einen schnell zum Weinen bringen können. Aber mehr sollte man dieses Jahr auch nicht in seinem Rucksack dabei haben – denn dieses Jahr traten verschärfte Sicherheitskontrollen in Kraft.

Normalerweise musste man mit seinen Ticket durch eine elektronische Schleuse und war schon drin. Aber als nach dem Amoklauf in München verstärkte Sicherheitsmaßnahmen angekündigt wurden, war die Empörung unter den Besuchern groß. Einerseits wurde gebeten, Taschen und Rucksäcke zu Hause zu lassen oder zumindest auf ein Minimum zu reduzieren, da Taschenkontrollen durchgeführt werden würden. Sofort sahen die Menschen eine Verschwörung der Organisatoren dahinter, die versuchen wollten, dass teure Messegelände-Essen anzudrehen, was natürlich Schwachsinn ist. Ein weiterer Security-Punkt betraf jedoch eine ganz andere Zielgruppe: die Cosplayer. Diese wurden nämlich gebeten, die dazugehörigen Cosplay-Waffen zu Hause zu lassen. Der Protest dahinter war ziemlich verständlich, da Cosplayer meist monatelang an ihren Kostümen arbeiten und ohne die Waffe diese meist einfach nicht vollständig sind. Aber am Ende haben sie sich trotzdem fügen müssen.

Glücklicherweise waren die angekündigten Taschenkontrollen nur stichpunktartig, sodass das zusätzliche Sicherheitspersonal den Durchgang kaum verzögerte und man schnell die elektrische Schleuse überwinden konnte.

Nun ist man drin und man kann endlich die neusten Spiele ausprobieren, richtig? Jein.

Die Gamescom ist eine riesige Messe und mit einer hohen Besucherzahl, sodass es unmöglich ist, alles an einem Tag zu schaffen. Bei den meisten Spielen gibt es meterlange Schlangen, wodurch die Wartezeit auch leider mehrer Stunden betragen kann. Desweiteren gibt es viele unterschiedliche Veranstaltungen, welche an unterschiedlichsten Orten stattfinden. Wer auf die Gamescom geht, sollte auf jeden Fall vorher ein Plan ausarbeiten, was er sehen möchte und wann. Am wichtigsten: nicht zu viel auf den Teller packen. Solche Großveranstaltungen erschöpfen einen schneller als angenommen. Und da sind wir schon bei der Schattenseite der Gamescom angekommen: die schiere Größe. Aufgrund der Besuchermenge kommt man nur langsam voran, und für Klaustrophobiker ist das die reinste Hölle. Ganz zu schweigen von der Hitze im klimatisierten Gebäude selber, da so viele Menschen die Raumtemperatur sofort in die Höhe schnellen lassen. Und da die Messe im Hochsommer stattfindet, kann es auch gerne passieren, dass es draußen nicht kühler ist. Man nimmt aber alle diese Unannehmlichkeiten trotzdem im Kauf, da solche Events ihre ganz eigene Magie haben.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der man manchmal das Gefühl hat, dass es eine Schande ist, ein Gamer zu sein. Aber die Gamescom ruft in Erinnerung, dass es genug Leute gibt, die das auch sind. Leute, welche aus allen Ecken Europas ankommen, stundenlang anstehen und die neusten Spiele auszuprobieren oder ihre Cosplay-Arbeit zur Schau stellen, an welchen sie monatelange gearbeitet haben. Es ist ein Ort, wo die Lieblingshelden zum Leben erwachen und Menschen durch ihre Leidenschaft verbunden werden. Es ist etwas Besonders, etwas Nicht-Alltägliches. Und deswegen, aufgrund dieses Zaubers, diesem Charme, fahre ich zur Gamescom und ich denke nicht, dass es sich in den nächsten Jahren ändern wird.

Kira Vlasenko

Chefredakteurin von diefeder.net. Junge Idealistin und Perfektonistin mit einer Vorliebe für Bücher, Musik - besonders in die Richtung Progressiv und Symphonic Metal - und Cartoons.

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