Mario Kart Tour – Der Funracer-Klassiker für’s Smartphone

Nach langer Wartezeit ist seit Mittwoch, dem 25.9.2019, endlich “Mario Kart Tour” kostenlos für Android und iOs verfügbar. Im Vorfeld wurde viel spekuliert, ob das Spiel die beliebte Funracer-Serie gut auf Mobiltelefonen repräsentieren kann; besonders wegen Gerüchten über Mikro-Transaktionen geriet der Titel schon vor Erscheinen in Verruf. Jetzt, da sich jeder selbst ein Bild davon machen kann, zeigt sich, dass dies nicht unbedingt unbegründet war.

Das Spiel ist vorerst gratis spielbar. Man muss kein Geld ausgeben, um alles zu sehen und zu erreichen, es geht nur wesentlich schneller, wenn man für bestimmte Dinge zahlt. Man beginnt mit einer Probefahrt, in der man sich an die Steuerung gewöhnen soll. Dabei darf der Spieler wählen, ob er entweder immer driften will oder gar nicht – eine gemischte Variante gibt es nicht. So ist die Lenkung sehr lästig, da kleine Anpassungen beim Lenken kompliziert werden, doch das komplette Verzichten erschwert es erheblich, irgendwelche Erfolge zu erzielen. Abgesehen davon ist die Steuerung ziemlich simpel – Items sind leicht zu verwenden und größtenteils reagiert die Lenkung gut. Es gibt quasi eine Schlausteuerung, so kann man beim Fahren nicht ohne Stern oder Turbopilz von der Strecke abkommen, was zu begrüßen ist, da dies sonst wegen schlechtem Driftverhalten ziemlich oft passieren würde.

Hat man das Tutorial hinter sich gebracht, kann man in die Cups starten. Welche Reihe an Cups verfügbar sind, ändert sich alle paar Wochen. Je weiter man in dieser Zeit kommt, desto mehr Geschenke erhält man. Ein Cup besteht aus drei Rennen und einer Mission im Stil von Mario Kart DS. Die Rennen finden auf größtenteils bekannten Strecken der Mario Kart-Geschichte statt, man fährt aber nur zwei Runden, nicht wie üblich drei. Ein paar neue Kurse gibt es auch, davon lässt sich allerdings noch nicht viel sehen. Je nach Platzierung, Münzanzahl, Geschwindigkeit, etc. bekommt man am Ende eines Rennens eine Bewertung in Punkten. Für genügend Punkte bekommt man bis zu fünf große Sterne, die benötigt werden, um neue Cups freizuspielen. Es gibt außerdem Bonusaufgaben, wie Gegner häufig hintereinander mit Bananenschalen abzuwerfen und ähnliches, für die man auch große Sterne bekommt.

Die Hauptwährungen im Spiel sind Münzen und Rubine. Münzen sammelt man während der Rennen, sie können im Shop gezielt für Angebote des Tages ausgegeben werden, seien es Fahrer oder Fahrzeugteile. Rubine erhält man etwas schwieriger, manchmal für’s Aufsteigen im Spielerlevel und manchmal als Belohnung für’s Abschließen von Cups. Hier kommt das Gacha-Element ins Spiel: Der Hauptnutzen der roten Edelsteine ist es, eine Röhre zu betätigen, aus der zufällig Fahrer oder Fahrzeugteile kommen. Da man auch solche erhalten kann, die man schon besitzt, wird dies schnell zum Glücksspiel, und das Spiel verdient daran, wenn Leute sich Rubinvorräte mit echtem Geld kaufen. Rubine können auch über ein Minispiel, den Münzrausch-Modus, in Massen an Münzen umgewandelt werden, dieses kurze Rennen zum Sammeln der Goldtaler mit einem Magneten ist jedoch nur ein kurzes Vergnügen.

Das Spiel selbst behauptet, man könne in den Rennen gegen Spieler aus aller Welt antreten. Dagegen spricht, dass es nie Verbindungsprobleme gibt, man die Introsequenz überspringen und trotzdem sofort starten kann, Gegner sofort gefunden werden und diese ihre Charakterwahl nie der Strecke anpassen, um die Boni dafür zu erhalten. Es ist demnach wahrscheinlicher, dass die Daten anderer Spieler gezeigt werden, man aber tatsächlich gegen Bots mit deren Spielfortschritt fährt. Unabhängig davon gibt es die Möglichkeit, seine Freunde von der Nintendo Switch zu finden und sich über Ranglisten mit ihnen zu vergleichen. Ein Mehrspielermodus mit Freunden ist angekündigt, ein Erscheinungsdatum jedoch bisher unbekannt.

Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Cups mit möglichst guter Leistung abzuschließen. Dies wird erleichtert durch die Benutzung der richtigen Charaktere und Fahrzeugteile. Es ist nicht zwingend notwendig, Geld auszugeben, um diese zu erhalten, oder überhaupt auf sie zu warten, allerdings ist es ohne den Goldpass, welcher zusätzliche Geschenke und Aufgaben bringt, und gekaufte Rubine, sehr viel schwieriger, trotz schwammigem Driften alle Preise einzuholen. Das macht es nicht zwingend zu “pay to win”, wobei trotzdem auffällt, dass Nintendo nach der harschen Kritik an der Bepreisung von Super Mario Run nun doch dazu übergegangen ist, klassische Gacha-Elemente zum Verdienen an ihren Handy-Spielen zu verwenden.

Da das Spiel erstmal kostenlos ist und für alle Mobiltelefone verfügbar sein sollte, kann jeder es ausprobieren, um zu sehen, ob es ihm zusagt. Wem es nicht gefällt, der sollte davon aber nicht auf Mario Kart allgemein schließen, da sich die Konsolen-Titel wesentlich besser steuern lassen und mehr von Können abhängt als von gekauften Boni. Als kurzer Spaß für zwischendurch ist Mario Kart die typische Smartphone-Version einer ethablierten Serie, doch repräsentiv für die anderen Titel ist es eher nicht.

Justin Löwe

Ich bin seit inzwischen neun Jahren als Jugendreporter unterwegs, stand schon mehrmals in der NOZ und möchte hier den Leuten mit möglichst hochwertigen Berichten die Interessen der jüngeren Generation näherbringen.

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