RWBY – Oder der Riesenerfolg, der nie in Europa ankam

Es ist Samstagabend, einer dieser Zeiträume, wo es zu spät ist, um produktiv zu sein (die eigentlich Frage ist, wer das schon freiwillig ist), aber auch zu früh ist, sich schon auf’s Ohr zu legen. Man hätte gerade Lust eine Serie durchzusuchten, die nicht allzu lange dauert, nicht unbedingt den Bekanntschaftsgrad Game of Thrones und Walking Dead (aka viel zu bekannt und überbewertet) besitzt, aber einen trotzdem fesselt. Suche nicht weiter, von mir erstelltes Szenario, ich habe die Lösung für dein Problem!  Die von Rooster Teeth produziert 3D Animations-Webserie RWBY ist eine wahre versteckte Perle, die in Amerika ihr Publikum gefunden hat, aber in Europa immer noch nicht einzogen ist. Zu unrecht. Schauen kann man die Webserie legal und kostenlos entweder über die Rooster Teeth Website unter der Rubrik RWBY oder auf dem offizellen YouTube-Kanal, wo es natürlich eine passende Playlist mit allen Videos gibt. Die Serie gibt es nur mit englischer oder japanisch Sprachfassung, aber falls man die Serie über YouTube schaut, kann man noch offizielle Untertitel einschalten, die ebenfalls auch in Deutsch vorhanden sind. Aber mit guten Schulenglisch sollte die Serie auch ohne Untertitel gut verständlich sein. Am 22ten Oktober 2016 erschien die erste Episode der 4ten Season. Sponsoren können jeden Samstag um 17:00 die neuste Folge auf der Rooster Teeth Website ansehen, ein Tag später ist die Folge auch für Nicht-Sponsoren erhältlich, auf YouTube erscheint die Folge eine Woche später.

 

Die Handlung

Remnant ist eine Welt, wo dunkle Wesen existieren, die als Kreaturen des Grimm bekannt sind. Die Grimm sind seelenlosen Wesen, welche aus unerfindlichen Gründen dazu neigen nur Menschen und ihrer Schöpfungen zu zerstören und auf ihren Weg nur Verzweiflung und Vernichtung hinterlassen. Angezogen von negativen Gefühlen, wäre die Menschheit schon längst ausgelöscht worden, wenn diese nicht aber die Energiequelle Dust (zu deutsch „Staub“, wird aber auch in den deutschen Untertitel auch als Dust bezeichnet) entdeckt hätten und gelernt hatten, diese zur ihrer Verteidung zu nutzen. Die Menschen, endlich in der Lage sich zu verteidigen und zurückzugreifen, entwickelten sich weiter und gründet die vier Königreiche, in denen die Menschen in relativer Sicherheit ihr Leben verbringen könnten. Um die Sicherheit der Bevölkerung zu sichern, gründete jedes Königreich spezielle Akademien, wo die zukünftigen Jäger und Jägerinnen (im Original „Hunter und Huntress“), hochangesehene Elite-Kämpfer, die ihr Leben der Beseitigung der Grimm gewidmet haben, ausgebildet werden sollten.

Für Ruby Rose erfüllt sich ihr größter Traum, als sie unerwartet die Möglichkeit bekommt zwei Jahre früher als üblich Beacon, der Jäger-Akademie des  Königreichs von Vale, beizutreten und dort zu einer Jägerin ausgebildet zu werden. Zusammen mit Weiss Schnee, Erbin eines moralisch-fragwürdigen Millionenkonzerns, der geheimnisvollen Blake Belladonna und ihrer Schwester Yang Xia Long kommt das Team RWBY (ausgesprochen „Ruby“) zustande. Aber schnell wird das romantisierte Bild der Jäger in den Köpfen der jungen Kämpferinnen zerschlagen und man stellt fest, dass nicht nur Grimm eine Bedrohung für den fragilen Frieden und der Sicherheit der Menschheit darstellen.

 

Erster Eindruck

RWBY gehört zu einer dieser Serien, die man aus Spaß beginnt zu schauen und sich nicht wirklich viel dabei denkt. Es beginnt auch extrem klischeehaft: die absolute naive, aber kämpferisch sehr begabte Ruby Rose aka die klassische Anime-Protagonistin™ wird früher zur Schule zugelassen als üblich, und auch das gesamte Setting erinnert unglaublich an die tausenden stereotypen Internat-Fanfiktions, die ich ganz sicher nicht gelesen oder geschrieben habe, und sicherlich sind einige bekannte Klischees und TV Tropes vorhanden. Aber nachdem man die erste Hälfte der ersten Volume durchgeschaut hat, was aufgrund der nicht sonderlich langen Folgen wirklich sehr schnell geht, merkt man, dass die Serie trotz allem beginnt, einen Eindruck zu hinterlassen. Die Charaktere haben alle ihre Tiefen und unterscheiden sich durch Design und Persönlichkeit, es wurde viel Zeit und Energie in das World-Building gesteckt, was man auch immer weiter im Verlauf der Serie bemerkt und die Kampfchoreographien sind einfach nur brillant. Und das Wichtigste, es hat von Anfang an eine ausgearbeitete Storyline. Aber RWBY entwickelt sich trotzdem weiter, man kann mit jeder Volume sehen wie die Animationen besser werden, die Story ihre Tiefe entfaltet und man immer mehr die Charaktere zu lieben beginnt.

 

Animationsstil

RWBYs Animationsstil ist tatsächlich sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man die Sachen bei ihren Namen nennt. Volume 1 hat so gut wie keine Hintergründe und auch die Statisten sind eigentlich nur schwarze Schatten.

Die Bewegung sind an manchen Stellen nicht wirklich natürlich, sie wirken zu steif um realistisch zu sein. Aber umso mehr beeindrucken die Kampfszenen, welche absolut ästhetisch und authentisch wirken, ganz davon zu schweigen, dass jede Person ihren persönlichen Kampfstil hat. Aber genau wie sie die Story langsam über die ersten drei Staffel entfaltet, wird der Animationsstil mit jeder Volume detailreicher und flüssiger.

So beginnt Volume 1 mit solchen Bildern…

Schreenshot aus der RWBY Episode 2 aus Volume 1. Link: https://www.youtube.com/watch?v=sLv6FfHlxmI Offizeller Youtube-Kanal von Rooster Teeth: https://www.youtube.com/channel/UCzH3iADRIq1IJlIXjfNgTpA?spfreload=10

…und entwickelt sich zu so einer Fülle weiter.

Screenshot von RWBY aus Episode 1 Volume 3. Link: https://www.youtube.com/watch?v=W9wyWgvyp0s&spfreload=10 Offizeller Youtube-Kanal von Rooster Teeth: https://www.youtube.com/channel/UCzH3iADRIq1IJlIXjfNgTpA?spfreload=10

 

Die Welt

Die erste Folge beginnt mit einer Einleitung in die Welt von Remnant und tatsächlich merkt man auch im Laufe der Serie, dass viel Zeit und Ressourcen in das Worldbuilding gesteckt wurde. In der Serie werden immer wieder die anderen Königreiche, deren Akademien und auch immer wieder der „große Krieg“ (im Orginal „the great war“) angesprochen, aber leider wird nie weiter drauf eingegangen. Auch außerhalb der Haupt-Serie gibt auch eine kleine Mini-Serie namens „The World of Remnant“ (zu deutsch „Die Welt von Remnant“), welche noch mehr Einblicke in die Welt gibt.

Dadurch, dass RWBY schon von Anfang an durchdacht ist, glänzt es auch mit seiner Welt. Nachdem in Volume 4 auch die Handlung außerhalb von Beacon/Vale verlegt wird, merkt man wie riesig die Welt ist. Was tatsächlich fehlt wären mehr Einblicke in Thema Kultur und Religion, auch wenn diese vorhanden sind und sehr wohl eine wichtige Rolle spielen.

 

Die Charaktere

RWBY hat eine weite Bandbreite von Charakteren. Einerseits gibt es natürlich die Namensträger der Serie, Team RWBY. Dabei ist Team RWBY eine bunte Mischung und man schließt schnell die Mädchen ins Herz. Aber es ist nicht das einzige Jäger-Team in Ausbildung. Team JNPR (ausgesprochen „Juniper“, das englische Wort für Wacholder) gehört zu der Kategorie der wichtigen Nebencharaktere, mittlerweile könnte man sie allerdings auch als Hauptcharaktere bezeichnen. Genau wie RWBY ist Team JNPR, welches aus deren unerfahrenden Teamleader Jaune Arc, der hyperaktiven Nora Valkyrie, der renommierten Kämpferin Pyrrha Nikos und dem gefassten Lie Ren besteht, ein buntes Bündel von Charakteren. Die Charaktervielfalt der Serie ist riesig, genauso wie deren Waffenrepertoire, und man findet schnell in der Serie einen Liebling. Desweiteren glänzt die Serie auch, weil es tatsächlich Charakterentwicklung innerhalb der Serie gibt. Fast alle Charaktere sind Menschen mit ihren Ecken und Kanten und keine eindimensionalen Lebewesen, die keine Fehler machen können. Es gibt wohl ein paar Charaktere, wo ich mir gewünscht hätte, dass diese nicht unbedingt den klassischen Stereotypen folgen würden, aber am Ende kann man nicht alles haben und über die paar schwächeren Charaktere kann man schon mal hinwegsehen.

 

Soundtrack

Gute Filme stehen und fallen mit den Soundtrack. Und der ist bei RWBY einfach extrem gut. Dabei spielen die Songs eine wichtige Rolle, da sie tatsächlich auch ziemlich genau wieder geben, worum es geht (falls man, wenn man die Serie schaut, auch einmal genau hinhört) und vermitteln perfekt die Stimmung. Der Score ist genauso immer passend gewählt.

Schon allein die Trailer geben einen guten Vorgeschmack auf die Musik in der Serie.

 

Sonstiges

RWBY hat außer World of Remnant auch noch eine Chibi Serie, welche nicht Canon ist und hauptsächlich auf Comedy ausgelegt ist. Es macht auch Witze auf vorhandene Szenen in der Haupt-Serie.

Desweiteren gibt es auf Steam noch ein Online-Hack-and-Slay-Spiel namens RWBY: Grimm Eclipse. Als Fan kann man es sich holen, aber allzu interessant ist das Spiel nicht, leider.

 

Fazit

RWBY ist vielleicht keine Serie, die auf den ersten Blick überzeugt, aber im Laufe der Zeit wächst sie eindeutig ans Herzen. Auch wenn die Serie ihre Markel hat (Animationsstil, manche der Nebenplotlines), macht sie es doch mit den liebevoll ausgearbeiteten Charakteren, den großartigen Waffendesigns, tollen Kampfcheorographien, wunderbaren Soundtrack und der guter Hauptplot es eindeutig wett. Es gibt Serien/Filme, wo alle Elemente stimmen, die einen aber trotzdem einen zufrieden stellen. Dann gibt Serien, wo manche Aspekte nicht großartig sind, aber das Gesamtbild trotzdem nicht beschädigen. RWBY gehört dazu. Und es hat sich eindeutig zu einer meiner Lieblingsserien entwickelt von der ich noch Großes erwarte.

 

Bildquelle:

Silhouette Logo RWBY (https://www.facebook.com/RT.RWBY/photos/a.372943042789244.94847.356761211074094/372943669455848/?type=3&theater)

RWBY Chapter 2: The Shining Beacon (Schreenshot)(https://www.youtube.com/watch?v=sLv6FfHlxmI)

RWBY Volume 3, Chapter 1: Round One (Screenshot) (https://www.youtube.com/watch?v=W9wyWgvyp0s)

Kira Vlasenko

Chefredakteurin von diefeder.net. Junge Idealistin und Perfektonistin mit einer Vorliebe für Bücher, Musik – besonders in die Richtung Progressiv und Symphonic Metal – und Cartoons.

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