Elektrische Bücher – Der E-Reader

Morgens an der Bushaltestelle stopfe ich mir die Kopfhörer in die Ohren, um den restlichen Schlaf aus meinem Kopf zu verscheuchen, die gedownloadeten MP3’s hämmern in meinen Ohren. Ich checke kurz mein Smartphone mit Touch-display und mobilem Internet, bevor ich den Ton für den Schultag ausstelle, um nicht zu riskieren, dass das gute Stück gleich in der ersten Stunde eingesackt wird.

Geweckt wurde ich natürlich von meinem Lieblingssender im Radio – Nur einen Knopfdruck entfernt.

Zweite Stunde, Politik. Aufgabe: Holt die Laptops und recherchiert über den Einsatz in Afghanistan. Nachmittags in Geschichte das gleiche Spiel, nur dass es diesmal um den Umgang mit Propaganda geht.

Zu Hause dann Essen – ausnahmsweise mal völlig undigital – Hausaufgaben, natürlich nicht, ohne doch nochmal schnell was auf Wikipedia nachzuschauen und schließlich endlich Pause.

Was dann? Musik hören? Doch noch lernen? Raus gehen? Für die Feder schreiben? Chatten?

Eins ist sicher: Wenn ich auf mein Handy schaue, werde ich Nachrichten haben und eine Nachrichten-App wird mir erzählen, dass Sebastian Vettel doch noch nicht vorzeitig Formel 1 Weltmeister ist.

Ich schnappe mir eine Zeitschrift und beginne zu blättern. ich höre, wie die Seiten rascheln, lese Artikel und sehe Fotos, in schwarz/weiß und in Farbe. Das ist Entertainment für alle Sinne, denn ich habe mir noch einen Keks genommen, sodass auch das schmecken nicht zu kurz kommt. Am Abend klappe ich im Bett liegend mein Buch auf und beginne zu lesen. Ohne dass Strom verbraucht würde, oder ein Akku in den Reservemodus springen könnte. Das Buch geht nicht aus und hängt sich auch nicht auf, es könnte höchstens aus meinen müden Händen fallen.

Nur was wollen die Leute dann plötzlich alle mit E-Readern? Ist die Welt nicht digital genug? Wollen wir wirklich auch noch das gute Buch digitalisieren? Zur Erinnerung: E-Reader, das sind diese Dinger, die man anschaltet und das aktuelle Buch flimmert vor einem auf und schon kann es ins Lesevergnügen gehen.

Tatsächlich haben E-Reader viele Vorteile. Sie flimmern (entgegen meiner Aussage) zum Beispiel nicht. das Prinzip nennt sich elektrischer Papier und ich stelle es mir so ähnlich vor, wie eine Zaubertafel, auf der man mit einem Stift schreibt und die Schrift scheint auf magische Weise zu erscheinen. Betätigt man einen Schieber, ist alles wieder weg. Das Display eines E-Readers wir beim Betätigen der Taste zum Umblättern unter Spannung gesetzt, was dazu führt, dass kleine Partikel im Display an die Gewünschte Stelle „huschen“, sodass sich ein klar lesbares Schriftbild ergibt. Daher braucht der E-Reader auch kein beleuchtetes Display und flimmert auch nicht, was die Augen auf Dauer anstrengt.

Ist eine Seite erst mal aufgebaut, bleibt sie bestehen, da ja alle Partikel an ihrer Stelle sind. Es wird also bis zum nächsten Umblättern keine weitere Energie benötigt, was zu einer erstaunlich langen Akkulaufzeit führt.

Die Schriftgröße ist verstellbar (Juhu, der E-reader als perfektes Medium für blinde Maulwürfe!) und die elektrischen Zauberkästen wiegen meist weniger, als ein Taschenbuch (obwohl das natürlich auch aufs Taschenbuch ankommt…). Sie passen also bequem in jede Tasche und sind nicht besonders sperrig. Außerdem hat der Leser die freie Auswahl, da er teilweise über 1000 Bücher mit sich herumtragen kann und sogar jederzeit welche aus dem jeweils passenden Online-Shop runterladen kann.

Womit wir auch schon beim ersten Haken an der Sache wären: Mit„Amazons“„Kindle“ werde ich bestimmt nicht im „Thalia“-Shop einkaufen können und mit dem „Oyo“ („Sony“, erhältlich bei „Thalia“) auch eher nicht bei „Weltbild“.

Auch das gegenseitige Ausleihen von Büchern wird auch schwierig, wenn man nicht gleich den ganzen E-Reader weggeben möchte. Das ist wenig schonend fürs Portemonnaie, dafür sind viele Bücher als E-Book bis zu fünf Euro billiger (Klassiker sind teilweise sogar kostenlos), als die gedruckte Variante.

Das digitale Papier, das die Anstrengung der Augen verhindert, hat allerdings auch ein Manko: Farbbilder kann der E-Reader noch nicht. Wer das möchte sollte auf einen Tablet-PC zurückgreifen, der wiederum weniger schonend für die Augen ist. Trotz dieses Fehlers bieten die ersten Zeitungen ihre Abos schon für E-Reader an. Man kann ja auch mit Bildern in schwarz/ weiß leben.

Wenn ich allerdings mein Buch beendet habe, stelle ich es mir gerne ins Regal. Ich freue mich über die drei Bücherregale in meinem Zimmer, ich streife gerne durch Bibliotheken und sehe mir alte und nicht ganz so alte Bücher an.

Meiner Meinung nach ist es gewiss: Die E-Reader werden die richtigen Bücher niemals verdrängen. Dafür ist das Gefühl ein Buch aufzuschlagen und in eine andere Welt zu entfliehen viel zu schön.

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