Drei Monate Dänemark

Einen Teil meiner Schulzeit im Ausland zu verbringen , das war schon immer mein Traum. Häufig las ich Reiseberichte von Schülerinnen und Schülern aus Stadt und Landkreis Osnabrück, die ein Schuljahr im Ausland verbrachten. Durch die G8 Schulreform und das damit verbundene Lernpensum rückte dieser Traum jedoch erstmal in weite Ferne.

Nach einem Schulwechsel nach der 10. Klasse auf eine berufsbildende Schule, bot sich mir jedoch eine ganz neue Chance. Zu der Schulform, die ich nun besuche, gehört im zweiten Jahr auch ein achtwöchiges betriebliches Praktikum. Durch Zufall endeckte ich in der Schule einen Flyer des „Leonardo da Vinci“ Programms der Europäischen Union. Dieses Programm ermöglicht es Schülern und Auszubildenden über ein Netz aus Partnerschulen ein Praktikum im Ausland zu absolvieren.

Als ich erfuhr, dass meine Schule an dem Leonardo da Vinci Programm der Europäischen
Union teilnimmt und ich somit auch mein Praktikum im Ausland absolvieren kann, war ich sofort begeistert. Ins Ausland zu gehen, nicht nur für einen Urlaubsaufenthalt, Land und Leute
kennen lernen und dabei praktische Berufserfahrung sammeln, wurde mir jetzt doch möglich. Ich informierte mich sofort bei dem EU-Koordinator meiner Schule über ein mögliches
Auslandspraktikum. Hierbei stellte sich heraus, dass die von der EU geförderte Dauer für ein Praktikum immer nur sechs Wochen beträgt. Da aber ein achtwöchiger Zeitraum von meiner Schule vorausgesetzt wird, beschloss ich meine Herbstferien zu opfern und für 12 Wochen zu fahren.

Verschiedene Länder der EU standen mir zur Auswahl. Meine Wahl fiel schlussendlich auf die Kleinstadt Sønderborg in Dänemark. Diese Stadt im Süden Dänemarks, ca. eine Stunde hinter der deutschen Grenze, gehört zur wirtschaftlichen Boomregion Dänemarks. Hier leben etwa 45.000 Menschen, es gibt eine sehr gute Infrastruktur, interessante Arbeitsplätze und vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten an verschiedenen Schul- und Ausbildungszentren und Universitäten. Das Publikum ist sehr jung und international, eine typische Studentenstadt eben und das alles in einer tollen Umgebung. Man ist von allen Seiten vom Meer umgeben, was besonders im Sommer sehr schön sein muss.

Ich bereitete Bewerbungsunterlagen vor, führte mehrere organisatorische
Gespräche und besuchte einen vierwöchigen Vorbereitungskurs in dem ich
Grundbegriffe der dänischen Sprache und Kultur kennen lernte.
Am 27. September 2013 war es dann endlich so weit, die Koffer waren gepackt und es ging auf nach Dänemark.

Ich wollte gern etwas über den Arbeitsalltag generell und speziell in meinem Gastland
erfahren. Mein zukünftiges Berufsfeld wollte ich auch einmal in der Praxis kennen lernen
und dabei gleichzeitig eine anderes Land erkunden, intensiver und weitgehender, als das
in einem Urlaub möglich ist. Ich war einfach neugierig auf andere Menschen. Etwas
Abenteuerlust war sicher auch dabei. Und etwas abenteuerlich war die Vorstellung ja auch, denn ich reiste ganz alleine in ein mir relativ unbekanntes Land von dem ich die Sprache nicht beherrsche. Anfangs machte ich mir noch ein wenig Sorgen über eventuelle Kommunikationsschwierigkeiten, doch ich wurde positiv überrascht. Da ich in einem internationalen Studentenwohnheim lebte, war die Verständigung auf Englisch kein Problem. Auch in meinem Praktikumsbetrieb boten sich mir keinerlei Schwierigkeiten.

Schnell knüpfte ich neue Kontakte, mit denen ich viel unternahm um das Land
und seine Leute kennen zu lernen. Ich reiste unter Anderem nach Kopenhagen, besuchte Freunde auf dem Land und lernte verschiedenste Bräuche kennen, gerade in der Weihnachtszeit. Auch die dänische Sprache konnte ich mit der Zeit immer besser verstehen und sogar selbst ein wenig sprechen. Durch die Vielfalt der unterschiedlichen Kulturen, Temperamente und Mentalitäten kam nie Langeweile auf. 

Wenn man mich fragen würde ob ich das Praktikum nochmal machen würde, ich
wäre noch vor Ende der Frage wieder in Dänemark. Mir hat es sehr sehr gut gefallen.
Besonders dankbar bin ich für die Erfahrung, einmal im Ausland gearbeitet zu haben. Der Arbeitsalltag war viel lockerer und entspannter, als ich es erwartet hatte. Dennoch wurde sehr konzentriert und zielgerichtet gearbeitet, aber alles mit viel Humor gewürzt.

Ich werde sicher dankbar weitere Gelegenheiten nutzen, Auslandserfahrungen zu sammeln und ich würde es jedem sofort weiterempfehlen. Man lernt doch weit mehr, als nur neue Arbeitsweisen und vertieftes Fachwissen. Wer offen ist für andere Menschen, für ihre Kultur und Lebensweisen, kann bei so einer Gelegenheit vielfältige Erfahrungen mit jungen Menschen aus ganz vielen verschiedenen Ländern machen. Das eigenverantwortliche Leben im Studentenwohnheim, für Wohnung, Wäsche und Mahlzeiten selbst Sorge zu tragen und pünktlich und zuverlässig seinem “Job” nachzugehen, macht einen ein ganzes Stück weit selbstständiger und, wie ich hoffe, auch erwachsener. Insgesamt war es für mich eine sehr schöne Zeit in Dänemark, die viel zu schnell um war. Das die Zeit aber so schnell, wie im Flug vorbei gegangen ist, hätte ich nicht erwartet. Das liegt daran, dass ich so viele verschiedene junge Leute kennengelernt habe, die aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen kamen und die mich alle sehr herzlich und offen aufgenommen haben, als hätte ich schon immer dazu gehört.


 

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