Delains Moonbathers – Ein Review

Der kreative Prozess an sich ist schon eine Kunst und so sind meiner Meinung nach Leute, die es schaffen in regelmässigen Abständen produktiv zu sein, allein deswegen bewunderswert. Die professionelle Musik-Szene ist da auch nicht anders, das Komponieren von Songs braucht Zeit, dann muss das alles noch mit mehreren Personen aufwendig eingespielt und produziert werden, während die meisten Bands noch nebenbei touren. Theoretisch wäre es für eine Band möglich alle zwei Jahre ein neues Album rausbringen, jedoch ist dies auf Dauer selten machbar oder die Qualität der Musik beginnt unter der schieren Quantität zu leiden. Die niederländische Symphonic Metal Band Delain ist aber einer dieser Ausnahmebands, die es geschafft hat innerhalb von zehn Jahren fünf Studienalben und zwei EPs rauszubringen und dabei mit jedem Album ihre persönliche Messlatte ein Stück höherzulegen.

Gegründet wurde Delain eigentlich nicht als Band, sondern als Musikprojekt von den Ex-Within Tempatation Keyboarder Martijn Westerholt, welcher Within Tempatation aufgrund von gesundheitlichen Gründen verlassen hatte. 2002 wurde die Demo Amenity aufgenommen und  das Projekt ruhte dann bis 2005.  Als dann 2005 die Sängerin Charlotte Wessels zustieß, welche die Sängerin Anne Invernizzi von der Demo ablöste, unterschrieben Delain bei Roadrunner Records einen Plattenvertrag und veröffentlichten am 4ten September 2006 ihr Debüt Album Lucidity. Aufgrund der positiven Rückmeldung wurde aus dem Projekt schließlich eine Band, die von Anfang an den den Grundstein  für ihre steile Karriere gelegt hatte: 2009 folgte ihr zweites Album April Rain, 2012 kam We Are The Others, 2014 The Human Contradiction und am 26ten August kam nun das fünfte Album, Moonbathers, raus.

Aber 2016 markiert auch ein ganz besonderes Jahr für Delain, da sie in diesem Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum feiern.  Und deswegen hat die Band sich auch vieles vorgenommen. Am 19ten Februar kam aufgrund der hohen Anfrag vonseitens der Fans ihre zweite EP Lunar Prelude raus, welche aus zwei neuen Liedern (Suckerpunch & Turn The Lights Out aus dem kürzlich erschienen Album Moonbathers), einer Orchestra Version von Suckerpunch, einer Alternativ Version von dem Song Don’t Let Go (Bonus Track aus dem limitierten The Human Contradiction Mediabook) und vier Live Tracks bestand.

Digipack von Delain's Lunar Prelude
Digipack von Delain’s Lunar Prelude

Aber mit der EP und ihren neuen Album gibt sich Delain nicht für ihr Jubiläum zufrieden und plant für den 10ten Dezember ein besonderes Konzert  in der Musikhalle Paradiso in Amsterdam. Damit das Konzert auch in Erinnerung bleibt, wird die ganze Show gefilmt und als ihre erste Live-DVD veröffentlicht, welche ebenfalls als Blu-Ray, CD, Vinyl und Digitaler Download erhältlich sein wird. Über die musikspezifische Crowdfunding-Plattform Pledgemusic wurde das Projekt fianziert.

Außerdem soll es eine 10-jährige Jubiläums Edition für das Album geben womit alles begonnen hat: am 21. October soll eine remasterte Version des Debütalbum Lucidity rauskommen, wo 11 von 12 Albumtracks remastert sein werden, desweiteren wird es 3 Live-Versionen geben, ein Medley und eine Download-Karte mit 5 Instrumental Tracks inklusive. Über den Pledgemusic Shop wird das Album als CD und Black Vinyl erhältlich sein und als eine spezielle Benelux-Edition als Gold Vinyl, welches außer ihren Sammlerwert noch eine weitere Überraschung enthalten kann: 5 Glückliche können ein goldenes Ticket gewinnen, womit sie Zutritt zu der VIP Show, welche restlos ausverkauft ist, am 10ten Dezember im Paradiso erhalten.

Jedoch wollte ich etwas über die wichtigste Veröffentlichung des Jahres über die Band reden und zwar Moonbathers,welches am 26ten August via Napalm Records veröffentlicht wurde. Das Album ist als Jewelcase (Standart), Mediabook (Special Edition mit Bonus CD), Black Vinyl, Gold Vinyl (limiert auf 200 Stück via Napalm Records), Black & White Vinyl (limiert auf 300 Stück via Napalm Records) und den Wooden Box Set (limiert auf 1000 Stück via Napalm Records) erhältlich.

Das Wooden Box Set besteht aus den Moonbathers Mediabook, einer Holzschatulle, einer Poster-Flag des Album Covers, eine, Delain Anhänger und einer 7″ Silber Vinyl Single mit den  Tracks Chyraslis – The Last Breath und The Monarch (Alternative Version).

Delains Moonbathers Mediabook
Delains Moonbathers Mediabook
Die Holzschatuelle aus den Wooden Box Set
Die Holzschatuelle aus den Wooden Box Set
Die 7" Silber Vinyl Single aus den Wooden Box Set
Die 7″ Silber Vinyl Single aus den Wooden Box Set
Die 7" Silber Vinyl Single aus den Wooden Box Set
Die 7″ Silber Vinyl Single aus den Wooden Box Set
Delain Anhänger aus den Wooden Box Set
Delain Anhänger aus den Wooden Box Set

Trackliste:

Erste CD

  1.  Hands Of Gold (feat. Alissa White-Gluz)
  2.  The Glory And The Scum
  3.  Suckerpunch
  4.  The Hurricane
  5.  Chrysalis – The Last Breath
  6.  Fire With Fire
  7.  Pendulum
  8.  Danse Macabre
  9.  Scandal (Queen Cover)
  10.  Turn The Lights Out
  11.  The Monarch

Mediabook Bonus CD

  1.  Suckerpunch (*) (Live)
  2.  Turn The Lights Out (*) (Live)
  3.  The Glory And The Scum (*) (Live)
  4.  Don’t Let Go (*) (Live)
  5.  The Glory And The Scum (*) (Orchestra)
  6.  Hands Of Gold (*) (Orchestra)

Wie schon erwähnt, hat sich Delain von Album zu Album weiterentwickelt und somit ist auch Moonbathers ein qualitiv hochwertiges Album geworden, man könnte sogar sagen ihr Bestes.  Mit Hands Of Gold  legt das Album einen mächtigen Start hin und gerade die Stimme von Alissa White-Gluz (The Agonist) ist eine perfekte Ergänzung zu Charlotte Wessels. Das ist übrigens schon der zweite Gastauftritt der Metal-Sängerin bei Delian, da diese bei den Album The Human Contradiction  beim Track The Tragedy Of The Commons ebefalls zu hören. Mit The Glory And The Scum wird musikalisch der Metalstil weitergeführt. Funfact – der Arbeitstitel von The Glory And The Scum hieß Clawfinger.

Setliste von 20. 05. 16. Der Arbeitstitel von The Glory And The Scum war Clawfinger.
Setliste von 20. 05. 16. Der Arbeitstitel von The Glory And The Scum war Clawfinger.

Weiter geht es mit dem schon aus Lunar Prelude bekannten Suckerpunch und auch, wenn man den Track schon kennt, hat es einfach nur das reinste Ohrwurm-Potential. The Hurricane ist die erste Ballade des Album und wirkt weder musikalisch noch texttechnisch allzu besonders, ist aber immer noch eine solide Ballade, wenn auch meiner Meinung nach das der schwächste Track des ganzen Albums. Chrysalis – The Last Breath ist mit seinen fünf Minuten das längste Lied des Album und trotz des kleinen Ensembles an Instrumenten für mich mit Abstand der stärkste Track auf den ganzen Album. Charlotte Wessels Stimme erzeugt die perfekte Atmospähre für die Ballade, während die Lyrics für eine Gänsehaut sorgen und durch die Unscheinbarkeit des Song ist man fast schon überrascht wie mächtig es aufgrund seiner ganzen Atmospähre wirkt. Fire And Fire ist wieder ein energiegeladener Song, der alle Anspannungen von Chrysalis wieder löst, genau wie Pendulum. Danse Macabre wiederrum hat wie Suckerpunch eher einen Ohrwurm-Charakter, da durch Charlotte Wessels verspielte Stimme ihre Koloraturen den ganzen Song ein gewisses Etwas geben und man das Bedürfnis verspürt es immer und immer wieder anzuhören. Scandal ist zwar ein gutes Cover, jedoch trotz meiner großen Vorliebe zu Charlotte Wessels Stimme kann sie Freddie Mercury nicht das Wasser reichen. Das könen aber sowieso nur eine Handvoll Sänger. Turn The Lights Out ist eine weitere Ballade, die zwar auch sehr solide ist, aber weder an Chrysalis noch The Monarch von der Atmospähre nahkommt. Laut Charlotte Wessel ist der Songtext zu diesen Song von Neil Gaimanns Comic-Reihe The Sandman inspriert ist. Das Schlusslicht des Album bildet die Ballade The Monarch und trotz ihrer Einfachheit kann man mit jeder weiteren Sekunde den Aufbau der Intensität fühlen und beendet das Album mit dem Versprechen der Band weiterhin zu wachsen und ihrer Leidenschaft zu folgen.

Abschließen kann man sagen, dass Moonbathers rundum ein sehr gelunges Album ist, es ist vielseitig und eine gute Mischung von starken und weichen Klängen. Positiv zu vermerken sind hier eindeutig der vielseitige Gebrauch von Charlotte Wessels Stimme und die Songtexte, auch wenn manche manchmal schon in eine makabere Richtung abschweifen. Das Einzige, was ein wenig für mich das Album schmällert, ist das die harten Songs irgendwie nicht ganz meinen persönlichen Geschmack getroffen haben und ich bei The Human Contradiction die härten Songs persönlich gelungener fand, aber selbst das ist nur eine Kleinigkeit. Als Fazit kann ich sagen, dass Delains Moonbathers eins der Highlights der zweiten Häfte von 2016 ist und sicher in der nächste Zeit öftermal den Weg in meinen CD-Player finden wird.

 

 

 

 

Kira Vlasenko

Chefredakteurin von diefeder.net. Junge Idealistin und Perfektonistin mit einer Vorliebe für Bücher, Musik - besonders in die Richtung Progressiv und Symphonic Metal - und Cartoons.

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